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5. November 2022

  Remember, remember the 5th of November! 

Guy-Fawkes-Day, was es damit auf sich hat, lässt sich unschwer ergoogeln, warum ich dieses Zitat immer mit Orwell's 1984 in Verbindung bringe, ist etwas nebulös... ich muss es mal nachlesen bei Gelegenheit. Wahrscheinlich mixe ich aber englische Schullektüre, die ich vor *hüstel* 40 Jahren gelesen habe, durcheinander.

Wie auch immer, der heutige 5. November ist vor allem geprägt durch den gestrigen 4.

Am 04.11.57 haben meine verstorbenen Schwiegereltern geheiratet und daMan und ich nahmen dies zum Anlass, ein Familienfest auszurichten. Geladen war die engste holländische Verwandtschaft: Schwager R., der in Scheidung lebt, seine Tochter E., nebst ihrem Freund M., Tochter M., der äußerst gar nicht mehr so freakige Sohn S.; Schwager E., Junggeselle seit ewig - ich glaube, der war sogar in seiner langjährigen Beziehung Junggeselle... das klingt etwas wertend, tatsächlich ist Schwager E. ein höchst freundlicher und umgänglicher Mensch; Schwägerin I., geschieden, kinderlos aus Überzeugung oder Panik nebst "neuem" Partner T., den ich noch nie gesehen hatte und natürlich wir vier - daMan, ich (die Wechselhafte), der sehr große Sohn und Dr. Dolittle.

Zum Thema langjährige, immer noch bestehende Ehe hätten daMan und ich also am Meisten zu sagen - wie es kommt, dass wir uns nach all der Zeit immer noch nicht über haben, ist schwer in Worte zu fassen, aber es ist auf jeden Fall mehr Realismus als Romantik im Spiel.

Aus Erfahrung weiß ich, dass die vier Geschwister auf einem Haufen ohne Ende diskutieren, erläutern und reden reden reden können, zumeist über Dinge, die mich nicht so sehr interessieren - ich führe an dieser Stelle nochmals die Szene ein, als ich eines Morgens ohne bereits Kaffee gehabt zu haben, in eine wortreiche Abhandlung, wann und wie das Speiseeis entstanden ist, stolperte - und so wusste ich, dass ein langer Abend bevor stand, denn auch die Nachfolgegeneration hat immer allerhand zu sagen.

Jedensfalls (wer in diesem Wort einen Schreibfehler sieht, liegt richtig. Es ist ein Familienidiom.) war der heutige Tag schon längst einige Stunden alt als ich nach einem fantastischen Abend schlafen ging. Es war eine Freude, diese sechs jungen, aufgeschlossenen, intelligenten, witzigen, (mir gehen gerade die Jubeladjektive aus) erwachsenen Menschen in der Runde zu haben und die ältere Verwandtschaft ist ohnehin umgänglich und sehr sehr nett, was aus meiner Beschreibung eingangs wahrscheinlich nicht hervorgeht…



Ich erwachte nach etwa viereinhalb Stunden Tiefschlaf mit einem fiesen Albtraum, die Uhr war exakt 07.39h, was ich durchaus zu früh für einen Sonnabend finde aber an Schlaf war nicht mehr zu denken.

Beim Gang Richtung Bad blinzelte Theo mich verschlafen an und Dr. Dolittle war, wie angekündigt, bereits wieder unterwegs, erst Richtung Norden zu einer Freundin und von da aus wollte sie direkt durchfahren bis Hannover. Mein kleines Kind... sehe ich gar nicht mehr so häufig. Hm.

Um 07.42h schmeiße ich den Kaffeeautomaten an und räume, während er sich aufwärmt und mir dann eine Tasse lebensrettendes Schwarzgetränk produziert, schon mal die erste Lage Gläser aus der Spülmaschine. Nach dem Feiern kommt der Punkt „Ordnung schaffen“, nicht sehr beliebt an Morgen wie diesen, muss trotzdem gemacht werden. Danach sinke ich um 07.45h mit einem Kaffee in meinen Sessel und daddel am Handy, verfasse diesen Text und trinke noch mehr Kaffee…bis es etwa 09.00h ist.

Ich raffe mich auf, verräume Stühle, Beistelltische, Geschirr und als daMan von der ersten Hunderunde des Tages zurück kommt, stellt er noch schnell den großen Esstisch wieder in seine Normalposition ans Fenster zurück. Danach holt er Brötchen, wir decken den Frühstückstisch und lassen uns daran nieder. Die holländische Verwandtschaft hat uns große Mengen landestypischer Lebensmittel (nein, keinen Käse! Leider. Den hätte ich auch sehr gerne genommen.) mitgebracht, die gleich mal verkostet werden konnten. Dazu gibt es Kaffee und, wie jeden Sonnabend, die aktuellen Traueranzeigen aus der Region. Wie der Bremer sagt: Man muss ja schließlich wissen, wer nicht mehr bei Karstadt kauft. Spoiler: Wahrscheinlich bald niemand mehr, was aber keinem Massensterben geschuldet sein wird, sondern dem Pleitegeier, der über diesem Warenhaus schwebt.

Es ist 10.46h als ich mich vom Frühstückstisch erhebe und den Spülo befülle. DaMan poliert derweil die riesigen Rotweingläsereimer, die handgewaschen werden müssen auf Hochglanz. Um 11.00h sind alle sichtbaren Spuren der gestrigen Veranstaltung getilgt und der Kratzer, den ich heute morgen versehentlich (und dumpfbackig, das muss ich einfach leider zugeben!) ins Parkett gedonnert habe, verschwindet halbwegs unter dem Tisch. Trotzdem doof. Ich liebe unser steinaltes Fischgrätparkett und bin betrübt, wenn es leidet.

Gegen 11.20h verlässt daMan das Haus, um sich nochmals kurz mit der Verwandtschaft zu treffen. Ich läute den Teil des Tages ein, der sich als unproduktiv beschreiben lässt (vulgo: Prime Video). Das ist vollkommen in Ordnung, zumal mir eine für meine Verhältnisse proppenvolle Arbeitswoche bevorsteht und wir morgen Abend noch auf ein Konzert gehen, welches vor einem Jahr hätte stattfinden sollen… Scheißcorona. Ich bin mir allerdings noch nicht sicher, wie lange meine Unproduktivität andauern wird - falls es den ganzen Tag so geht, wäre ich nicht verwundert. Der geriatrische Körper braucht zwar Bewegung, aber eben auch Erholung.

13.15h daMan ist zurück. In dem Moment als ich gerade dabei bin, in einen gnädigen Schlaf zu sinken. Na, gut, dann eben nicht, seufz. Stattdessen bringen wir die letzten Stühle in den Keller, danach steige ich zwei Treppen höher und sammel eine Waschladung zusammen, trage diese wieder ganz nach unten, um dann erneut in meinem Fernsehsessel zu stranden. Statt streamen versuche ich jetzt online shopping. Man kann ganze Inseln kaufen und das überall auf der Welt, interessante Vorstellung. Da das wohl in absehbarer Zeit kein zu verwirklichender Plan sein wird, katapultiere ich mich um 14.12h zurück in die Realität und beziehe unsere Betten frisch. Direkt danach lasse ich mich auf meins kippen und nehme seichte Lektüre zur Hand. 

16.21h die Wäsche ist fertig und wird auf Trockner und Wäscheständer verteilt.

17.30h daMan will gerade das Haus Richtung Weserstadion verlassen,um sich das Heimspiel des ruhm- und glorreichen SVW anzusehen und zur anschließenden Spielanalyse an ein paar Bieren… da klingelt sein Freund und spricht, er habe super spontan eine Karte übrig. Der sehr große Sohn wurde bereits auch von einem Kumpel versorgt und Dr. Dolittle ist ja nun schon weg. Ich muss den bedauernswerten Theo hüten und fühle mich auch nicht so wirklich in der Lage, mich zwei Stunden lang ins Stadion zu stellen. Wäre Theo fit und ich auch, sähe das anders aus. Macht nix. So kommt „unser“ Ukrainer in den Genuss seines ersten Heimspiels.

Ich zupfe als Alternativprogramm die Wäsche aus dem Trockner, lege sie zusammen und räume sie weg. Dann gibt es Futter für Mensch und Tier.

Im Wohnzimmer habe ich jede Menge Kerzen angezündet - ich bin noch nicht so rund damit, dass es die nächsten Monate sehr viel sehr dunkel sein wird. Kratzt mich sonst nie, warum das in diesem Jahr so ist, weiß ich nicht. Ich lande mit meinem soulfood in Form von Spiegeleiern mit Schinken auf Brötchen schon wieder im Fernsehsessel. Das ist dann heute mal so.

Vorsichtshalber schaue ich mir das Werder-Spiel nicht im TV an, weil es immer schiefgeht, wenn ich das mache. Ich checke kurz vor Ende der ersten Halbzeit den Spielstand, stelle fest, dass grünweiß mit einem Tor vorne liegt und halte die Daumen weiter.

Viel mehr wird heute nicht geschehen - maximal noch eine Mini-Hunderunde und dann werde ich wohl Schlaf tanken.

Es ist nun 19.11h

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