Oder auch „Another day in paradise“*
Ich befinde mich an der französischen Atlantikküste und somit in einem Landstrich, zu dem ich wie an einem unsichtbaren Seil gezogen, immer wieder zurückkehre.
Auf Instagram würde ich ein Foto von hier wohl mit so wunderbaren (örks!) hashtags wie #Sehnsuchtsort #Herzensort #Atlantikliebe #placetobe versehen, aber mein norddeutsch-sachliches Gemüt verhindert derartige Gefühlsduseleien zum Glück, auch wenn die Richtung natürlich stimmt.
Ich würde es niemandem übelnehmen, der der hiesigen Eintönigkeit aus heranrauschendem Meer, endlosen Sandstränden und ebenso endlosen Pinienwäldern nichts abgewinnen kann, nur - verstehen kann ich es nicht. Es ist insbesondere die Ruhe und die Abwesenheit von allzuviel Menschen (die gibt es hier logischerweise auch, weil halt Tourismus, aber man entkommt ihnen innerhalb von 10 Minuten), die sich wohltuend auf mich auswirkt.
Ich mag mein heimisches Stadtleben schon durchaus. Die Freunde, die kurzen Wege, die Infrastruktur, meinen kleinen Job etc., aber es stellt sich immer mehr heraus, dass all das kombiniert mit einer Situation in Deutschland, die man euphemistisch als „bemerkenswert“ bezeichnen könnte, mir nicht gut tut. Auf alle Fälle sind die Auszeiten davon ungeheuer wichtig für meine gesamte gesundheitliche Situation.
Wie auch immer, jetzt bin ich in Lacanau-Océan und die Uhr ist 07.52h, als ich wach werde. DaMan und der sehr große Sohn (beide „Kinder“ = Erwachsene, die in ihrem eigenen Haushalt leben!!! begleiten uns sehr gerne hierher. Dr. Dolittle hat ein Gastspiel von einem verlängerten WE gegeben, der sehr große Sohn verbringt etwa 10 Tage mit uns…) bereits Richtung driving range verschwunden (ja, daMan golft seit Jahren und, nein, der sehr große Sohn nicht, aber als Sportler interessiert er sich für alles, was mit Aktivität zu tun hat, auch wenn er sich hier eher von den Wellen vermöbeln lässt aufs Surfboard begibt.)
Sehr schön! Kaffee und Internetrunde in aller Ruhe.
Um 08.58h ist die Wäscheladung, die der sehr große Sohn frühs gleich angestellt hat, bereits durch und ich hänge sie auf die Leine.
Als das erledigt ist, rolle ich die Mini-Reise-Yogamatte aus und besänftige meinen Rücken, der Fremdbetten schon seit vielen Jahren nichts mehr abgewinnen kann und dementsprechend meckert. Auf einer Skala von eins bis 10 sind die Schmerzen aber noch deutlich im unteren Bereich, das ist schon mal gut.
Zwischendurch bekomme ich eine unerfreuliche Nachricht - ein geplantes Treffen muss voraussichtlich gecancelt oder verschoben werden… scheiß Atemwegsinfekte, bläh. Gute Besserung dennoch auch von dieser Stelle aus!
Um 10.15h kehren daMan und der sehr große Sohn mit Baguette, Croissants und Konsorten zurück und wir frühstücken in aller Ruhe.
Es ist 11.27h, als ich mich mit Kommissar Wallanders 5. Fall (ich habe die gesamte Reihe schon mindestens zweimal gelesen, hatte aber angesichts meiner vielen Krimis im heimischen Bücherregal keene Böcke, neue zu kaufen) auf der Terrasse installiere und dabei eine kleine Zeitreise ins Jahr 1994 unternehme…
Eine kleine Stunde später, um 12.23h, packe ich meine Strandsachen zusammen und wir brechen auf Richtung Ozean.
Es ist 13.04h, als ich die Düne herunter komme und den ziemlich leeren Strand in Richtung daMan spaziere. Letzterer ist mit Theo, dem Treudoofen, noch rund einen Kilometer weiter zum Parkplatz gefahren. Ich brauche aber dringend Bewegung! Leider bekomme ich nicht soviel wie nötig, denn das Wetter frischt auf, leider auch sehr feucht, sodass ich statt der angepeilten Schrittanzahl höchstens die Hälfte auf der Uhr habe, als wir um 15.00h wieder hier sind. Ein kleiner Abstecher zum örtlichen Carrefour sichert immerhin unser Abendessen.
Ich ziehe mich zunächst zu einer virtuellen Runde Doppelkopf zurück und erhalte viele Lerngeschenke und wenig Punkte. Danach muss der Wallander wieder herhalten.
Um 16.27h hört es auf zu regnen und ich gehe nochmal ein paar Schritte. Es ist ein wenig ungemütlich, mir wird sogar kalt und deshalb kehre ich bald um. Um 17.02h liege ich frisch (und sehr warm) geduscht wieder in der Horizontalen und wünsche mir die Sonne herbei - wegen zu heftiger Flut/ zu starken Strömungen/ irgendwas anderem war ich zu lange nicht im Atlantik und sehne mich nach meinem Bodyboard. Bis es soweit ist, nehme ich mal wieder meinen Krimi zur Hand.
18.34h - ganz klar Zeit für ein Glas Wein! DaMan kocht, der sehr große Sohn räumt den Spülo leer und ich mache irgendwie gar nichts, aber dafür ist halt Urlaub auch.
Nach dem Essen werden wir sicherlich noch eines unserer typischen Urlaubsspiele („Ganz schön clever“-seufz, ich schon mal nicht; „Phase 10“ oder „ Skipbo“ … wenn ich mich im Griff habe, bleiben die Karten auf dem Tisch. Ich bin kein schlechter Verlierer, aber daMan ein so verbissener Gewinnen-Wollender, dass ich davon oft genervt bin…) spielen und später abends werde ich noch etwas aus irgendeiner Mediathek ziehen, bevor ich dann in einen wunderbaren neuen Urlaubstag hineinschlafe.
<edit> Es gab dann doch eine ausgedehntere Hunderunde, die um 20.46h mit erfreulicher Gesamtschrittzahl endete.
* In Anlehnung an Das Paradies ist noch nicht ausverkauft - wer reinliest, erkennt vielleicht Bekannte…
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