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05. Dezember 2024

Ich beteilige mich hier an WmdedgT, das ist eine Aktion, die Frau Brüllen vor über 10 Jahren ins Leben gerufen hat - am jeweils 5. eines Monats schildern Bloggermenschen, was an diesem Tag bei ihnen geschieht.

 Ich bin etwas fassungslos, wo die Zeit geblieben ist - ich bin doch gerade erst aus der Sommerfrische zurückgekommen?!?

Wie so oft in den letzten Jahren habe ich die Stimme meiner Mutter im Kopf, die mir erklärt, dass die Jahre mit zunehmendem Alter schneller verstreichen. Leider wahr - und angesichts der Tatsache, dass ich in der kommenden Woche 60 werde, auch kraftvoll bestätigt. Wann genau bin ich so alt geworden?

Jüngst gab es noch irgendwo einen Artikel über das Phänomen der verfliegenden Zeit in Kombination mit Jahren auf dem Buckel zu lesen und da hieß es, dass neue Erlebnisse aller Art dazu beitragen, Zeitspannen als lang, bzw. länger wahrzunehmen. Für Kinder ist halt ständig alles neu und so ist deren subjektives Empfinden ein anderes als das von ollen Schachteln wie mir, die schon einiges gesehen haben.

Wie ich damit umgehen soll, überlege ich mir noch…

Jetzt aber zum Tagesablauf:

07.51h ich werde wach genug für einen Blick auf die Uhr und stehe auf. Heute habe ich genug Zeit, bis ich zur Arbeit muss, denn meine Schicht beginnt erst um 10.

08.00h erster Kaffee, kurze Internetrunde, dann schreibe ich den Anfang von diesem Text hier.

08.32h zweiter Kaffee. Ich werde noch wacher und hab nicht so richtig Bock auf meinen heutigen Arbeitstag. Vorgestern habe ich mich entnervt über drei Stunden gequält und meine Lebenszeit vergeudet, bevor ich an mein Überstundenkonto gedacht habe und dann einfach nach Hause gegangen bin. Es herrschte eine unerklärliche Flaute in der Praxis, obwohl wir mitten in der Impf- und Infektsaison sind und mein Papierstapel ist darüberhinaus komplett abgearbeitet. Da ich das jetzt formuliert habe, fährt wahrscheinlich nachher ein Reisebus vor und spuckt 53 Personen aus, die dringend etwas mit den Ärztinnen besprechen wollen.

Was soll ich sagen? Es wäre mir ungefähr 1000x lieber als Löcher in die Gegend zu starren.

08.46h daMan kehrt mit Theo von der Hunderunde zurück und bedauert mich in meiner Arbeitsunlust. „Meld dich doch krank“, grinst er ironisch,  wohl wissend, dass so ein Vorgehen mir komplett fremd ist. Nicht nur, weil meine Arbeitseinstellung dem diametral gegenübersteht, sondern auch, weil ich das Karma fürchte, welches mir nach so einer Fake-Malaise dann wahrscheinlich zur Strafe etwas richtig Fettes serviert. Keine Scherze über die Gesundheit!

09.05h ich hab den Kaffee auf, gehe duschen, räume noch ein bisschen auf und programmiere die Waschmaschine, bevor ich um

09.30h das Haus verlasse. Die Luft ist besser als in den letzten beiden Tagen, weniger feucht und so bleibe ich weitestgehend von olfaktorischen Belästigungen in Form von Zigarettenrauch und Abgasen, die nun nicht ewig hängenbleiben, verschont. Ich fände es durchaus herrlich, dem Qualm, den die erstgenannten verursachen, nicht ständig ausgesetzt zu sein, finde aber den dementsprechenden jüngsten Vorstoß der EU dennoch mehr als fragwürdig. Viel sinniger wäre es, die Raucher dazu zu bewegen, ihre Kippen nicht in die Gegend zu schmeißen, aber who am I?

09.51h Ankunft in der Praxis. Umziehen, Tee kochen, immer noch keene Böcke haben, dennoch um

10.00h am Counter Platz und das erste Telefonat direkt entgegen nehmen. Auf geht‘s! Bis 

12.15h arbeite ich etwas ab, was sehr viel Aufmerksamkeit verlangt und werde dabei dauernd unterbrochen. 

Von der Schwester der Patientin (letztere zu Hause) live am Tresen, die erwartet, dass die Patientin nun mal eben so ein Antibiotikum bekommt - die Diagnose liefert sie gleich mit - und falls das nicht geht, könnten die Herrschaften sich ja mal zu einem Hausbesuch bequemen…

Von dem Patienten, der seinen Labortermin im August verschoben hat und diesen jetzt, genau jetzt, dringend wahrnehmen will.

Von der Patientin, die uns ihren Urin, immerhin im Schraubglas, auf den Tresen knallt.

Von dem Spezialisten, der mit Faulfieber erkrankt ist und eine AU braucht.

Von der Patientin mit dem Assistenzhund, den ich auf Anfrage kraulen darf.

Von den Patienten, die verwundert bis erbost sind, dass wir ihre Versichertenkarte benötigen. Ob die irgendwelche Dienstleistungen sonst auch auf Pump bekommen? Was denken die sich bloß?

Dazwischen bimmelt das Telefon und meine eine Kollegin hat heute Redebedarf - leider auch viel Zeugs, was mich so gar nicht interessiert.

Irgendwann schaffe ich meine aktuelle Aufgabe, bin eigentlich schon brotfertig und auf der Suche nach Schokolade.

Und dann kommt eine von Hektik einerseits und Wortschwällen andererseits geprägte Dienstbesprechung, bei der ich zwischendurch nicht mehr weiß, ob ich in einem Slapstick gelandet bin oder gleich in der Hölle. Es ist

13.30h als es endlich etwas ruhiger wird. Die eine Ärztin rast gestresst im Eiltempo aus der Tür und meine redebedürftige Kollegin ist nicht mehr ständig an meiner Seite. Ich buche einige Rechnungen aus, pflege noch diverse Befunde ein, desinfiziere hier und da ein wenig, baue einen von der Ärztin in Hektik auseinandernommenen Schrank wieder zusammen (fragt nicht!) und das Telefon klingelt auch schon wieder. Genau wie meine Ohren. Dennoch sind mir solche Tage um ein Vielfaches lieber als die schnarchlangweiligen, in denen man sich Arbeit konstruieren muss. Ich verlasse pünktlich um

15.00h die Praxis und spaziere durch den herrlichen Bremer Regen (soweit zu besserer Luft) nach Hause. Dort sinke ich mit leerem Blick in einen Sessel und streame vor mir her. Dazu gibt es ein belegtes Brot mit Schinken (und keins mit Ei und auch keinen Bommerlunder - brauchen könnte ich es.)

16.15h die Wäscheladung von heute Morgen wird aus der WaMa genommen und auf den Wäscheständer verteilt. Die zweite Ladung jage ich gleich hinterher.

16.30h daMan comes home und geht wenig später wieder.

Ich begebe mich in unser Gym und turne vor mir her bis ca.

17.30h daMan comes home again und bleibt diesmal.

Ich ticker den Rest von diesem Tagesbericht zusammen und bin froh, dass heute mein Wochenende beginnt. Ich werde mich nochmals mit Wasser und Seife behandeln, die WaMa erneut leeren, mit daMan zu Abend essen, französisch per Duolingo lernen, an einer Socke stricken (unifarben, Zopfmuster) und dazu werden wir eine schaurige skandinavische Serie schauen, in der das Grauen regiert, das Blut fließt und nicht der schwule Ehemann der Hauptdarstellerin in eine Sinnkrise gerät während sein Partner verwandt ist mit dem Cousin des Pfarrers, der wiederum heimlich in die Ehefrau verknallt ist usw. usf. - mir gehen die teil überkonstruierten deutschen Krimiproduktionen mittlerweile nur noch auf die Ketten und deshalb bin ich dankbar für Drehbücher, die Mord und Auflärung beinhalten und mir nicht noch siebenundneunzig Geschichten neben der Geschichte, die selbige dann immer unglaubwürdiger werden lassen, erzählen.

18.06h Text hier ist fertig - Grüße in die Bloggergemeinde.

Kommentare

  1. Hallo Marie,
    den Artikel hab ich auch gelesen. Ist was Wahres dran. Schaffen wir uns also schöne Erlebnisse. Ich gratuliere recht herzlich zum 60sten Geburtstag - willkommen im Club der sweet sixties. Darauf einen Bommerlunder.
    Liebe Grüße
    Britta

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