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05. März 2026

Ich beteilige mich hier an WmdedgT, das ist eine Aktion, die Frau Brüllen vor weit über 10 Jahren ins Leben gerufen hat - am jeweils 5. eines Monats schildern Bloggermenschen, was an diesem Tag bei ihnen geschieht. 

Kein Schaltjahr - also ist der 5. wie im Vormonat ein Donnerstag und ich bin einigermaßen wach, als ich gegen 08.00h aufstehe. Aber heute verschiebt sich meine Arbeitszeit nach hinten, sodass ich jetzt viel Zeit habe.

So entschlossen, wie ich es nach nur einer Tasse Kaffee gerade schaffe, steige ich aufs Rudergerät und nach gut 30 Minuten  Training wieder ab. Ich laufe durch zur Dusche und nachdem ich wieder abgetrocknet und bekleidet bin, wird es Zeit fürs Frühstück. Die Uhr ist derweil auf 09.43h vorgehüpft.

Noch zwei weitere Kaffee später begebe ich mich auf den Spaziergang zur Arbeit. Auf den Ohren habe ich keineswegs Kultur, sondern Bremen Eins, einen Sender, der mir vielfach altbekannte Songs und Lokalnachrichten einspielt. Das kann ich gut hören.

Als ich um 10.52h in der Praxisumkleide stehe, registriere ich, dass ich am heutigen Tag zum letzten Mal von einem Arbeitstag an diesem Ort berichten werde. Oha.

Ich habe so lange darüber nachgedacht, wie ich es wohl finden werde, nicht mehr so wie jetzt weiterzuarbeiten, sämtliche pros und cons abgewogen, dass ich nun nach reichlich zwei Jahren dieser Überlegungen sehr zufrieden mit meinem Entschluss bin. Der Verlauf des heutigen Praxistages wird mich auch noch unterstützend bestärken, aber das ahne ich gerade noch nicht.

Meine direkt neben mir arbeitende Kollegin hat wie fast jeden Tag großen Redebedarf und erzählt jedem alles, was dazu führt, dass ich lauter Zeugs, was ich kaum halbinteressant finde, mehrfach hören muss und ich werde zuverlässig weich in der Birne dabei. Warum ich ihr nicht einfach freundlich erklären kann, dass sie auch mal die Fr***e halten kann, gehört nicht hierher. Es sei aber verraten, dass mein Hang zu nichtdiplomatischen Anmerkungen nur rudimentär eine Rolle spielt. Es ist kompliziert.

Die Zeit vergeht bis zum Mittag weitestgehend normal - ich arbeite einiges weg und helfe zwischendurch Patienten am Counter bzw. Telefon weiter so gut ich es vermag. Und kontere das Gelaber von links mit „hmm“, „jo“, „hmhm“. Norddeutsch spreche ich fließend.

Um 12.00h ist eine Dienstbesprechung angesagt, zu der die eine Chefin zu spät mit den Worten „Ich habe nur eine halbe Stunde Zeit“ erscheint. Die Chefin ist neben der Wortteppiche produzierenden Kollegin einer meiner guten Gründe, dieses Arbeitsleben ad acta zu legen. Immer in Eile, stets in Hektik, nur sie liegt in allem immer richtig und hat im Gegenzug keine Zeit für ihre Mitarbeiterinnen - das verdirbt die Stimmung im Team schnell und nachhaltig. Wie so oft bei diesen „Besprechungen“ werden Themen nur angerissen und es k**** mich wirklich an, dass  chefinnenseits so überdeutlich vermittelt wird, wie wenig ihr an Personal liegt oder daran, dass die Orga gut läuft. Schlimm ist das. Darüberhinaus wie fast immer keifen Kollegin Wortschwall und sie sich dauernd an - es wirkt, als wollten sie sich absichtlich missverstehen und wir anderen warten eigentlich nur darauf, dass sie auch noch mit den Füßen aufstampfen, um ihr „ICH HAB ABER RECHT“ auch physisch zu betonen.

Als es vorbei ist, die Chefin nach Hause und die Dauerrednerin in die Pause gegangen ist, liegen die andere Kollegin, die zweite Chefin und ich abseits des Boxrings und atmen in leichter Verzweiflung. Überflüssig, anstrengend und null produktiv war das mal wieder eine Veranstaltung zum Thema „Mitarbeiterführung wie man‘s nicht macht“ aus dem Lehrbuch. Man fühlt sich auf vielen Ebenen schlecht.

Irgendwann arbeite ich weiter, desinfiziere und wische die Praxis an einigen neuralgischen Punkten, höre mir Rezept- und Überweisungswünsche auf dem AB an und stelle dementsprechende Formulare bzw. elektronischen Krams aus. Ab 13.30h kommen Patienten auch wieder live in die Sprechstunde, ab 14.00h durchs Telefon. Die Zeit vergeht unspektakulär, aber nicht langsam. So arbeite ich am liebsten. Um 16.05h leicht verspätet (finde ich auch nicht gerade toll) erscheint Kollegin Logorrhoe wieder und ihr auf den Fersen eine Patientin, bei der wir alle gern Reißaus nehmen… sie ist schon sehr speziell. Meine „ich bin die nette Kollegin“-Attitüde dränge ich entschlossen zurück, grüße noch  freundlich und überlasse sie meiner Schwatzkollegin. Ich habe Feierabend.

Wie auch andernorts ist hier seit einer Woche etwa (?) der Frühling eingetroffen und ich fühle mich, als hätte ich Sprungfedern in den Gelenken. Was so ein bisschen Helligkeit doch ausmacht!!! Noch schöner wird es, als ich das abgeranzte und schmuddelige Viertel, in dem mein Arbeitsplatz liegt, verlasse und jenseits der Bahn durch Straßen laufen kann, denen man wenigstens nicht auf den ersten Blick ansieht, wie abgewirtschaftet diese Stadt ist.

Auf diesem Weg liegt auch der Buchhandel, bei dem ich oft kaufe, wenn es denn neue Bücher sein sollen - also entweder, wenn ich sie verschenken will oder ich sie bei den gängigen 2nd-Hand-Anbietern nicht deutlich billiger bekomme. Bei den vier Exemplaren, die ich mir ausgeguckt habe, treffen beide Kriterien zu und so schleppe ich ordentlich was nach Hause.

Schon bald geht es wieder dahin, wo ich ohnehin immer sein will und das will gründlich vorbereitet sein! Bloß nicht zuwenig Lektüre im Gepäck haben.

Vor unserer Haustür bin ich um 16.18h und nach dem Abstreifen des Mantels fange ich unverzüglich an, mir eine sehr gemüselastige Mahlzeit zuzubereiten. Für die Freude werfe ich noch einige Nudeln dazu und bestreue mein Werk mit Parmesan.

Etwas streamen - ich bin in „Everwood“ gelandet und treffe dort Dr. April Kepner und Dr. Reed Adamson aus Grey‘s Anatomy in sehr jungen Jahren… und in anderen Rollen natürlich. Sarah Drews Rolle ist in beiden Serien durchaus etwas durchgeknallt, das ist sehr witzig im Vergleich. Einer der Ärzte hat darüberhinaus die Synchronstimme von Dr. „Evil Spawn“ Alex Karev.

Nach einer Folge hieve ich mich aus dem geliebten Sessel, setze ich mich vor einen unserer Schränke und sortiere den Inhalt in „kann weg“, „verschenken/ ebay“ und „behalten“. Derzeit nehme ich mir mehrmals wöchentlich Zeit dafür, denn wir werden innerhäuslich Veränderungen vornehmen. Gute Gelegenheit zum Ausmisten. Das, was verschenkt wird, brauche ich nur an die Straße zu stellen - meist verschwindet es dort innerhalb eines Tages wie durch Zauberhand. Irgendwer kann immer irgendwas gebrauchen. Was dort partout nicht weggeht, erhält in den nächsten Tagen weitere Chancen, bevor es zusammen mit „Kann weg“ im Müll landet oder auf dem Recyclinghof. Je nachdem!  Das, was bleibt, sortiere ich in Kisten oder zurück in die jeweiligen Schränke oder Regale.

18.23h daMan comes home, was ich als freudigen Anlass, meine heutige Französisch-Einheit zu beenden, nehme und wir besprechen kurz die Geschehnisse des Tages, bevor ich ihn noch ein wenig in Ruhe lasse, damit wir uns dann ausführlicher unterhalten können. Das wird in ca. einer Stunde der Fall sein und danach wird nicht mehr viel Sinnstiftendes oder Berichtenswertes geschehen.

Kommentare

  1. Wie auch immer Deine berufliche Veränderung aussehen wird - ich sage Glückauf. Du machst es bestimmt richtig. Jetzt ist wohl auch die Zeit reif, dass Du Dich selbst in den Vordergrund stellst.
    Ich bin seit einiger Zeit auf E-Book-Reader umgestiegen, für mich und Boot die perfekte Lösung. Richtig tolle Bücher und von bestimmten Autoren dürfen aber noch in Holzschnitt einziehen.
    Liebe Grüße Britta

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  2. Liebe Britta, ich habe derzeit keine berufliche Veränderung in Aussicht und rocke mich somit einem unbekannten Lebensabschnitt entgegen, der sehr viel Zeit für mich generieren wird. Wenn mir das zu langweilig werden sollte, schaue ich mich sicher wieder nach einer Tätigkeit um - daher meine nicht ganz eindeutigen Formulierungen. Im Moment aber freue ich mich sehr auf die vor mir liegende Freiheit.
    Dir drücke ich weiterhin arg die Daumen, dass du bald wieder an Bord bist!
    LG

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    1. Ja, ich war mir nicht sicher, wie es gemeint ist. Aber auch für viel freie Zeit wünsche ich Glückauf. Möge sie Dir gut tun.
      Mir geht es wieder besser, ich bin auch zuhause. Bis zum nächsten Eingriff, dann aber erst im April. Der wird auch nicht so schlimm, hoffe ich. Sagt man....

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