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05. Juli 2026

Ich beteilige mich hier an WmdedgT, das ist eine Aktion, die Frau Brüllen vor weit über 10 Jahren ins Leben gerufen hat - am jeweils 5. eines Monats schildern Bloggermenschen, was an diesem Tag bei ihnen geschieht. 

Dieser Monatsfünfte ist ein Sonntag, der soundsovielte seit Mitte April, bei dem es mir egal ist, weil ich meine Tage lebe wie sie kommen und kein Zeitkorsett mehr habe.

Wider Erwarten vermisse ich letzteres noch immer nicht und ganz nach Erwarten läuft das heimische Praxisgeschehen auch ohne mein Zutun weiter. Jede/r ist ersetzbar und Menschen sind Gewohnheitstiere, die sich neuen Situation einfach anpassen. Aber es freut mich wirklich, dass meine Ex-Kolleginnen nicht abbuddeln, sondern "nur" den ganz normalen Wahnsinn haben.

Ich bin gespannt, wie ich meine Entscheidung im Frühjahr 2027, also ein Jahr nach Tag X, beurteilen und wieviel Zeit ich bis dahin hier, wo ich sowieso immer sein will (also da, wo die wirklich großen Wellen sind), verbracht haben werde.

Derzeit empfinde ich mein Gesamtpaket als Geschenk, als große Gnade des Schicksals. Einmal täglich vor diesem riesigen Atlantik zu stehen reduziert die eigene Wichtigkeit auf ein Minimum und das ist ungeheuer befreiend. In diesem Kontext kann ich auch Richard Powers "Das große Spiel" empfehlen, welches sich... ach, lest selbst!

Aber nun, Tagesablauf -  das erste Mal erwache ich um 06.39h vom heiseren Schuhuhu einer Taube, woraufhin ein Schrotgewehr Gehörschutz zum Einsatz kommt. Gut zwei Stunden später nehme ich die Ohrstöpsel wieder heraus und stelle fest, dass ich aufstehen kann.

Ohne Kaffee geh ich tot, also auch heute der erste Gang zur Maschine, die mir das schwarze Heißgetränk spendiert. Und das zweite…begleitet vom ersten Sudoku des Tages, bzw. von dem , welches ich gestern nicht mehr geschafft habe. Immer wieder faszinierend, wie lange man auf diese Zahlen starren kann, ohne das Offensichtliche zu erkennen. Fast wie eine Gesellschaftsstudie.

Ohne viel Gezatter ziehe ich mir um 09.36h Sportklamotten an und erledige die fällige Ruderrunde, heute mit freundlicher Assistenz von u.a. einem in jeder Hinsicht faszinierenden Freddie Mercury bei seinem Live-Aid-Auftritt 1985,  gefolgt von Schweißentfernen. Danach Frühstück, landesun- für mich aber sehr typisch mit der üblichen Obst-Getreideflocken-Saaten-Nuss-Kombi. Dazu, Überraschung, noch mehr Kaffee. Im Anschluss ein weiteres Sudoku, was bis dato ungelöst war. Jetzt aber!

Bei alle dem erlebe ich liebliche Beschallung durch die Nachbarin, die ihren Terrassenbereich täglich um diese Zeit (ca.11.00h bis 12.00h) mit dem Laubbläser freipustet. Akribisch mindestens 20 Minuten lang. Jedem sein Hobby... aber, nein, diese Dinger sind nicht nur akustische Belästigung sondern aus ökologischer Sicht höchst zweifelhaft. Ich kann es nicht ändern.

Bis 13.30h lesen, Bude auf Stand bringen, Eincremeorgie und auf zum Strand. Allmählich wird es voll, in Deutschland und anderswo sind bereits die  Sommerferien ausgebrochen, aber die ganz große Touristenexplosion, wenn auch die Franzosen frei haben und an ihre eigenen Strände wollen, steht noch aus.

Wie immer dauert es dennoch nicht allzulange, bis ich nach etwas spazieren nahezu alleine bin. Diese täglichen Strandkilometer vergehen ungleich schneller als eine Strecke in der Stadt. Wenn ich dort 10.000 Schritte gehe, denke ich immer, ich sei wer weiß wieviel gelaufen - hier geschieht das völlig unbemerkt und dementsprechend mehr bin ich in Bewegung... Pferde bekommen am Strand auch oft so einen Laufrappel, mir geht's da ähnlich. Heute allerdings nicht, denn ich habe einen neuen Gruß aus der Geriatrie erhalten, der mir Schmerzen in einem Zeh (man kann es sich nicht ausdenken!) spendiert, die gar nicht mal so schön sind.

Stattdessen lese ich im aktuellen französischen Krimi* und gehe zwischendurch baden. Etwa um 16.30h reiße ich mich vom Buch und den unermüdlich heran rollenden Atlantikwellen los und mache mich mit einem Zwischenstopp, um ein Baguette zu kaufen, auf den Weg zurück. 

Am Haus hängen DaMan und das wilde Tier gleichermaßen schlapp herum und ich bin froh, dass ich am Strand war, wo die Temperatur  grundsätzlich etwas niedriger ist und ein  Windchen weht. Vor rund zwei Wochen herrschte hier eine unglaubliche Hitze und ich, alleine mit Hund, konnte selbigen tagsüber nicht  ans Meer bringen, weil er bereits auf der Düne kollabiert wäre, noch ihn guten Gewissens im Haus zurück lassen, welches sich dank mangelnder Isolation (Sommerhaus!!) in eine Schwitzhütte verwandelt hatte. Auszuhalten war es nur abgedunkelt mit Ventilator - den ich jedoch nicht laufen lassen wollte, wenn ich nicht dabei war. Unser tiefbegabter Herr Hund bringt‘s ja fertig, da seinen Steerts reinzuhalten…

Also, heute in der Hinsicht alles alles besser für mich.

Ich dusche mir Sand, Sonnencreme und Salz von der Haut und genehmige mir im Anschluss ein kühles Getränk. Dabei habe ich diesen Blick und bin so so so dankbar dafür.


Und damit beschließe ich meinen heutigen Tagesbericht, sende ihn zu Frau Brüllen und grüße in die Blog-Gemeinschaft.

* Alexander Oetker schreibt sehr eingängige Krimis mit ordentlich Lokalkolorit von diesem Landstrich, aber ich habe alle bisher erschienenen Bände durch und widme mich nun einer Reihe, die immerhin halbwegs in der Nähe, im Périgord spielt. Leichte Kost, aber da ich mich in den letzten Tagen durch die Erinnerungen von Angelika Schrobsdorff gelesen habe, geht das vollkommen in Ordnung.

Ja, das könnte man als Werbung interpretieren, allerdings streng unbeauftragt und schon gar nicht bezahlt.

Kommentare

  1. Das hört sich nach einem wunderbar entspannten Tag an. Hitze kann man also da, wo Du immer sein willst, auch nicht gebrauchen.
    Und nach den Erinnerungen von Frau Schrobsdorff, die ich auch sehr schätze, darf es leichte Kost sein. Das mache ich auch immer so. "Schwere" Kost wirkt noch nach und will durchdacht werden. Aber man braucht ja trotzdem immer ein Buch zum lesen. Ich versteh das gut und grüße in die neue Woche. Ebenfalls ohne Zeitkorsett. Freut mich, dass es Dir auch nicht fehlt.
    Hatten wir uns vor ein paar Monaten ja mal drüber unterhalten.
    LG Britta

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  2. Tja, wie beschrieben - ich bin sehr gespannt, wie ich meine Situation nach Ablauf eines Jahres bewerten werde. Dank deiner zahlreichen Schilderungen bin ich aber ganz zuversichtlich.
    LG zurück!

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